Hört, hört! (II)

„Der größte Teil der kulturellen Produktion der letzten Jahrzehnte wäre durch einfaches Turnen und zweckmäßige Bewegung im Freien mit großer Leichtigkeit zu verhindern gewesen.“

B.B.

Vielversprechende Nachwuchspolitiker (I): Florian Philipp Ott (FDP)

Der 21-jährige Florian ist laut eigenen Angaben „Liberalist, Politiker, Krefelder, Student, Redakteur, Pressesprecher, Wahlkreisbetreuer, Partykönig, Soyafanatiker“. Wer in jungen Jahren schon so smart ist, unterhält natürlich sowohl Website als auch einen Twitter-Account und so verfolge ich nun schon seit längerem mit wachsender Begeisterung Florians Geschicke.

Junge Liberale zeichnen drei Eigenschaften aus: Sie sind erfolgreich, sie sind intelligent und sie sind dabei jung geblieben. So kann sich Flori sich „über eine glatte 1,0 in seiner mündlichen Prüfung“ freuen und belohnt sich, indem er „hoch motiviert in die Wahlkampfschulung“ abstartet. Wer weiß, vielleicht „schlürft“ er anschließend noch „einen leckeren Catagena Sunrise und macht sich dann auf den Weg in die Königsburg um bei rhythmischen Housebeats zu feiern“ und danach geht es zur Afterhour, die in Florians Kreisen „nettes Get-Together im Hilton“ zu heissen scheint. Man möchte liberal werden.

Doch Flos Leben lief nicht immer so glatt, es galt einige Steine auf dem Weg zum jungen Staatsmann aus dem Weg zu räumen. Das ganze ging schon nicht gut los („Im Kreißsaal des St. Josefshospitals zu Krefeld mache ich am frühen Morgen des fünften August meine ersten Atemzüge – einen Monat und einen Tag früher als geplant.“ (alle weiteren Zitate von dort) ), doch Flozze biss die Zähne zusammen: „Mit rund 3180 Gramm und einer Körpergröße von etwas mehr als einem halben Meter, starte ich deutlich mickriger ins Leben als der Durchschnitt. Doch das sollte nicht lange so bleiben. “ Oh nein, wer glaubte, Florian würde sich mit „etwas mehr als einem halben Meter“ zufrieden geben, hatte sich gründlich getäuscht!

Doch auch seine Kindheit bleibt nicht lange sorgenfrei: „Als jedoch bei meiner Großmutter Annemarie nach einem Autounfall Alzheimer diagnostiziert wird, ist es plötzlich vorbei mit dem beschaulichen Dasein Zuhause.“ Mir erscheint Alzheimer die einzige Möglichkeit, dieses Geschwalle Tag für Tag ertragen zu können, aber nichts für ungut, Florian litt unter der neuen Situation und musste schnell im Kindergarten untergebracht werden. Doch auch wer glaubt, dass seine Karriere hier schon ihr Ende fand, hat sich geschnitten, denn Flori erkennt schon bald: „Blos lange hält es mich dort nicht“. Bloß, Mann!

Florian, der mit fünf Jahren in die Schule kam, war so begabt, dass er seine Zeugnisse von Anfang an selbst schrieb und so attestiert er sich: „Begeistert vom neuen Umfeld, der Grundschule an Haus Rath, füge ich mich schnell in den Klassenverband ein und werde den Anforderungen gerecht.“ Und schon damals liebte er die Herausforderung und das Gefühl über sich selbst hinaus zu wachsen: „Einzig die Fahrten ins nahe gelegene Schullandheim zu Herongen fordern meinen jungen Charakter heraus.“ In Herogen spricht man immer noch von ihm, dem unbezwingbaren Ott.

Doch nicht alle wissen mit Flows Talenten umzugehen und er beginnt, Neid auf sich zu ziehen: „Trotzdem mich meine Grundschullehrerin Frau Storb, ob dem vermeintlich fehlenden Talent für die Muttersprache, 1998 als nicht geeignet für Deutschlands höchste Schulform hält, verschlägt es mich auf das Gymnasium.“ Doch obwohl er bis heute den Unterschied zwischen „obwohl“ und „trotzdem“ nicht verstanden hat und glaubt, dass „ob“ den Dativ nach sich zieht, ist Florian heute „Chefredakteur des julimagazin“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Auf dem Gymnasium dann schlägt er sich „mehr schlecht als recht  durch die ersten Jahre der weiterführenden Bildung“ und es wäre dem ein oder anderen auch heute noch ein Vergnügen, ihn mehr ziemlich als bisschen durch die nächsten Jahre Hochschule zu schlagen. Doch eines nach dem anderen: Erst einmal muss Otti Abitur machen – mit „Eins vor dem Komma“, versteht sich.

Danach folgt F.P.O. dem Ruf des Vaterlands: „Als Zivildienstleistender habe ich ab sofort mein Dasein als billigste Servicekraft hinter der Theke meines Geburtskrankenhauses zu fristen. Eine Tatsache, die ich so nicht auf mir beruhen lassen konnte: Im Herbst werde ich Mitglied der Jungen Liberalen.“ Konsequent, der junge Mann. Wäre er von einer Horde Nazis vermöbelt worden, er wäre wohl in die NPD eingetreten , doch die Qualen der Lohnarbeit führten ihn wie so viele in den Schoß der FDP.

Sein zweites Standbein, der Journalismus, spielt eine immer größere Rolle im Leben des Ott, er beginnt für die „Rheinische Post – die zweitgrößte Abonnementzeitung Deutschlands“ und – Hand auf’s Herz – die ungefähr zweitschlechteste Zeitung Deutschlands zu arbeiten und – ehrgeizig wie er nunmal ist – wird er auch schon bald „Chefredakteur des julimagazins“, der „einzigen Zeitschrift für jungliberale Politik in Nordrhein-Westfalen“. Hut ab, immerhin hätte es auch nur das einzige Magazin für Opel-Tuning im Kreis Wesel sein können.

Doch der Lebensweg des Florian Philipp Ott ist noch nicht zu Ende, zur Zeit besucht er „Tag für Tag“ die Universität, um „möglichst bald mit Stolz den Titel Bachelor of Arts tragen zu dürfen“. Es sei ihm gegönnt, doch „wann es soweit ist, mag nur die Zukunft verraten“. Ich drücke die Daumen, Brummbär.

Ich möchte mit einem Zitat von Florian enden, das auch mir aus dem Herzen spricht: „Eins jedoch ist sicher: Die Geschichte wird sich fortsetzen, garantiert.“ Oh Gott.

Mehrheitlich heterosexuell sucht Lesbe – Repro-Aufgaben nicht ausgeschlossen.

Der Schauproceß des Lukas E.: Ein fragwürdiges Lehrstück in Sachen Imperialismus

Als regelmäßiger Blogsportleser hat man schon gefühlte 14 Mal Israel bereist und die unermüdlichen Sühne-Freiwilligen dürften – glaubt man den Reiseberichten – den Holocaust mittlerweile ähnlich oft gut gemacht haben(„An jedem Schutthaufen oder Müllcontainer machen wir halt, steigen schwungvoll vom Anhänger und laden alles ein, was entsorgt werden soll. Der uns beaufsichtigende Kibbutznik bleibt meist dreist auf dem Traktor sitzen, ruft „Jalla, jalla!“, wenn wir nicht schnell genug arbeiten.“). Doch seit man mit seinen Geschichten aus dem gelobten Land keine Töle mehr hinter dem AZ-Ofen hervorlocken kann, hat der ideelle deutsche Gesamtstudent eine weitere Front im Westen eröffnet: Lateinamerika, fremd und geheimnisvoll.

So bereist auch blogsport-Blogger Lukas E. zur Zeit Mittelamerika, wo es alles in allem „recht idyllisch“ zuzugehen scheint. Gut, so richtig scheint der Nicaraguaner noch nicht Bescheid zu wissen, wie er die deutsche Kundschaft zu bedienen hat und leistet sich den ein oder anderen Fauxpas („Was hier oefters praktiziert wird, ist, dass die Getraenke erst mit dem Essen serviert werden; manchmal auch erst 5 Minuten nach dem Essen. Hier aber bekam ich meinen Eistee erst, als wir mit Essen fertig waren“). Da ist man als Kunde, König und Imperialistenschwein natürlich geneigt, die Konsequenz zu ziehen und „erstmalig, das „freiwillige Trinkgeld“ von 10 %, das oft automatisch auf die Rechnung geschrieben wird, auf Nachfrage nicht zu zahlen“. Blute aus, Volk von Nicaragua!

Nachdem der Kellner dann noch versuchte, Lukas um 35 Cent zu betrügen und auch auf Nachfrage keinerlei Schuldbewusstsein zeigte („Er gab mir diese zwar raus, aber sah keinerlei Anlass sich irgendwie zu entschuldigen“), reichte es dem Teutonen-Schlächter: „Fuers Abendessen machten wir uns auf einen langen Marsch zu „Charlys“, ein von einem deutschen gefuehrten Restaurant, das laut Lonelyplanet Maultaschen auf dem Menue hatte.“ Während andere mit einem langen Marsch den Sozialismus erkämpfen oder zumindest „durch einen Marsch […] die Flanke und die Nachhut der Engländer in Kabul oder bei Herat bedrohen“ (Engels!), begnügt sich der deutsche Michel mit einem Teller Maultaschen. Suum cuique!

Der Besuch des von Deutschen geführten deutschen Wirtshauses fern von Deutschland geht an dem jungen Deutschen verständlicherweise nicht ohne Spuren vorbei, denn „zwischen Frankfurter, Kusterdinger und Stuttgarter Fan-Schals, Bierschildern und Jagdtrophaeen war es doch ein gutes Stueck Heimat“. Was wohl zum vollkommenen Heimatgefühl geführt hätte? Ranziger Fettgeruch, Germania-Stammtisch, ein tot getretener Nicaraguaner?

Der deutsche Imperialist weiß Tugend auch beim Feind zu schätzen und so haben es Lukas E. besonders die eifrigen Straßenverkäufer angetan, z.B. Javier, ein „reizender kleiner Kerl, der sich gut mit uns unterhielt, waehrend ein geschaeftstuechtiger anderer Junge aus den Palmzweigen des Morgens Schmuckstuecke fuer Eva Braun herstellte“. So viel Geschäftssinn wird belohnt und Javier bekommt eine Cola spendiert. Großen Dank, Sahib! Ein wenig getrübt wird der Stolz des Wohltäters jedoch durch ein Informationsblatt, „das eindringlich darauf hinwies, das Kaufen von Essen zu unterlassen, da man die Kinder damit zum Betteln anhaelt, worauf sie das der Schule vorziehen“. Undank ist der Welten Lohn! Doch aus Fehlern lernt man, und als Lukas am Abend wieder auf den kleinen Javier trifft will er ihm zugleich „an einem Strassenstand was zu essen kaufen“. Man kann nur hoffen, dass Javier weiterhin so viel Glück im Leben hat und sich nicht wie die anderen Straßenkinder „klebstoffabhaengig wird“, „sein Gehirn zerstört“ und am Ende womöglich ähnlich verblödet wie sein deutscher Wohltäter.

Friede für Mittelamerika.

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