Der 21-jährige Florian ist laut eigenen Angaben „Liberalist, Politiker, Krefelder, Student, Redakteur, Pressesprecher, Wahlkreisbetreuer, Partykönig, Soyafanatiker“. Wer in jungen Jahren schon so smart ist, unterhält natürlich sowohl Website als auch einen Twitter-Account und so verfolge ich nun schon seit längerem mit wachsender Begeisterung Florians Geschicke.

Junge Liberale zeichnen drei Eigenschaften aus: Sie sind erfolgreich, sie sind intelligent und sie sind dabei jung geblieben. So kann sich Flori sich „über eine glatte 1,0 in seiner mündlichen Prüfung“ freuen und belohnt sich, indem er „hoch motiviert in die Wahlkampfschulung“ abstartet. Wer weiß, vielleicht „schlürft“ er anschließend noch „einen leckeren Catagena Sunrise und macht sich dann auf den Weg in die Königsburg um bei rhythmischen Housebeats zu feiern“ und danach geht es zur Afterhour, die in Florians Kreisen „nettes Get-Together im Hilton“ zu heissen scheint. Man möchte liberal werden.

Doch Flos Leben lief nicht immer so glatt, es galt einige Steine auf dem Weg zum jungen Staatsmann aus dem Weg zu räumen. Das ganze ging schon nicht gut los („Im Kreißsaal des St. Josefshospitals zu Krefeld mache ich am frühen Morgen des fünften August meine ersten Atemzüge – einen Monat und einen Tag früher als geplant.“ (alle weiteren Zitate von dort) ), doch Flozze biss die Zähne zusammen: „Mit rund 3180 Gramm und einer Körpergröße von etwas mehr als einem halben Meter, starte ich deutlich mickriger ins Leben als der Durchschnitt. Doch das sollte nicht lange so bleiben. “ Oh nein, wer glaubte, Florian würde sich mit „etwas mehr als einem halben Meter“ zufrieden geben, hatte sich gründlich getäuscht!

Doch auch seine Kindheit bleibt nicht lange sorgenfrei: „Als jedoch bei meiner Großmutter Annemarie nach einem Autounfall Alzheimer diagnostiziert wird, ist es plötzlich vorbei mit dem beschaulichen Dasein Zuhause.“ Mir erscheint Alzheimer die einzige Möglichkeit, dieses Geschwalle Tag für Tag ertragen zu können, aber nichts für ungut, Florian litt unter der neuen Situation und musste schnell im Kindergarten untergebracht werden. Doch auch wer glaubt, dass seine Karriere hier schon ihr Ende fand, hat sich geschnitten, denn Flori erkennt schon bald: „Blos lange hält es mich dort nicht“. Bloß, Mann!

Florian, der mit fünf Jahren in die Schule kam, war so begabt, dass er seine Zeugnisse von Anfang an selbst schrieb und so attestiert er sich: „Begeistert vom neuen Umfeld, der Grundschule an Haus Rath, füge ich mich schnell in den Klassenverband ein und werde den Anforderungen gerecht.“ Und schon damals liebte er die Herausforderung und das Gefühl über sich selbst hinaus zu wachsen: „Einzig die Fahrten ins nahe gelegene Schullandheim zu Herongen fordern meinen jungen Charakter heraus.“ In Herogen spricht man immer noch von ihm, dem unbezwingbaren Ott.

Doch nicht alle wissen mit Flows Talenten umzugehen und er beginnt, Neid auf sich zu ziehen: „Trotzdem mich meine Grundschullehrerin Frau Storb, ob dem vermeintlich fehlenden Talent für die Muttersprache, 1998 als nicht geeignet für Deutschlands höchste Schulform hält, verschlägt es mich auf das Gymnasium.“ Doch obwohl er bis heute den Unterschied zwischen „obwohl“ und „trotzdem“ nicht verstanden hat und glaubt, dass „ob“ den Dativ nach sich zieht, ist Florian heute „Chefredakteur des julimagazin“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Auf dem Gymnasium dann schlägt er sich „mehr schlecht als recht  durch die ersten Jahre der weiterführenden Bildung“ und es wäre dem ein oder anderen auch heute noch ein Vergnügen, ihn mehr ziemlich als bisschen durch die nächsten Jahre Hochschule zu schlagen. Doch eines nach dem anderen: Erst einmal muss Otti Abitur machen – mit „Eins vor dem Komma“, versteht sich.

Danach folgt F.P.O. dem Ruf des Vaterlands: „Als Zivildienstleistender habe ich ab sofort mein Dasein als billigste Servicekraft hinter der Theke meines Geburtskrankenhauses zu fristen. Eine Tatsache, die ich so nicht auf mir beruhen lassen konnte: Im Herbst werde ich Mitglied der Jungen Liberalen.“ Konsequent, der junge Mann. Wäre er von einer Horde Nazis vermöbelt worden, er wäre wohl in die NPD eingetreten , doch die Qualen der Lohnarbeit führten ihn wie so viele in den Schoß der FDP.

Sein zweites Standbein, der Journalismus, spielt eine immer größere Rolle im Leben des Ott, er beginnt für die „Rheinische Post – die zweitgrößte Abonnementzeitung Deutschlands“ und – Hand auf’s Herz – die ungefähr zweitschlechteste Zeitung Deutschlands zu arbeiten und – ehrgeizig wie er nunmal ist – wird er auch schon bald „Chefredakteur des julimagazins“, der „einzigen Zeitschrift für jungliberale Politik in Nordrhein-Westfalen“. Hut ab, immerhin hätte es auch nur das einzige Magazin für Opel-Tuning im Kreis Wesel sein können.

Doch der Lebensweg des Florian Philipp Ott ist noch nicht zu Ende, zur Zeit besucht er „Tag für Tag“ die Universität, um „möglichst bald mit Stolz den Titel Bachelor of Arts tragen zu dürfen“. Es sei ihm gegönnt, doch „wann es soweit ist, mag nur die Zukunft verraten“. Ich drücke die Daumen, Brummbär.

Ich möchte mit einem Zitat von Florian enden, das auch mir aus dem Herzen spricht: „Eins jedoch ist sicher: Die Geschichte wird sich fortsetzen, garantiert.“ Oh Gott.