Als regelmäßiger Blogsportleser hat man schon gefühlte 14 Mal Israel bereist und die unermüdlichen Sühne-Freiwilligen dürften – glaubt man den Reiseberichten – den Holocaust mittlerweile ähnlich oft gut gemacht haben(„An jedem Schutthaufen oder Müllcontainer machen wir halt, steigen schwungvoll vom Anhänger und laden alles ein, was entsorgt werden soll. Der uns beaufsichtigende Kibbutznik bleibt meist dreist auf dem Traktor sitzen, ruft „Jalla, jalla!“, wenn wir nicht schnell genug arbeiten.“). Doch seit man mit seinen Geschichten aus dem gelobten Land keine Töle mehr hinter dem AZ-Ofen hervorlocken kann, hat der ideelle deutsche Gesamtstudent eine weitere Front im Westen eröffnet: Lateinamerika, fremd und geheimnisvoll.

So bereist auch blogsport-Blogger Lukas E. zur Zeit Mittelamerika, wo es alles in allem „recht idyllisch“ zuzugehen scheint. Gut, so richtig scheint der Nicaraguaner noch nicht Bescheid zu wissen, wie er die deutsche Kundschaft zu bedienen hat und leistet sich den ein oder anderen Fauxpas („Was hier oefters praktiziert wird, ist, dass die Getraenke erst mit dem Essen serviert werden; manchmal auch erst 5 Minuten nach dem Essen. Hier aber bekam ich meinen Eistee erst, als wir mit Essen fertig waren“). Da ist man als Kunde, König und Imperialistenschwein natürlich geneigt, die Konsequenz zu ziehen und „erstmalig, das „freiwillige Trinkgeld“ von 10 %, das oft automatisch auf die Rechnung geschrieben wird, auf Nachfrage nicht zu zahlen“. Blute aus, Volk von Nicaragua!

Nachdem der Kellner dann noch versuchte, Lukas um 35 Cent zu betrügen und auch auf Nachfrage keinerlei Schuldbewusstsein zeigte („Er gab mir diese zwar raus, aber sah keinerlei Anlass sich irgendwie zu entschuldigen“), reichte es dem Teutonen-Schlächter: „Fuers Abendessen machten wir uns auf einen langen Marsch zu „Charlys“, ein von einem deutschen gefuehrten Restaurant, das laut Lonelyplanet Maultaschen auf dem Menue hatte.“ Während andere mit einem langen Marsch den Sozialismus erkämpfen oder zumindest „durch einen Marsch […] die Flanke und die Nachhut der Engländer in Kabul oder bei Herat bedrohen“ (Engels!), begnügt sich der deutsche Michel mit einem Teller Maultaschen. Suum cuique!

Der Besuch des von Deutschen geführten deutschen Wirtshauses fern von Deutschland geht an dem jungen Deutschen verständlicherweise nicht ohne Spuren vorbei, denn „zwischen Frankfurter, Kusterdinger und Stuttgarter Fan-Schals, Bierschildern und Jagdtrophaeen war es doch ein gutes Stueck Heimat“. Was wohl zum vollkommenen Heimatgefühl geführt hätte? Ranziger Fettgeruch, Germania-Stammtisch, ein tot getretener Nicaraguaner?

Der deutsche Imperialist weiß Tugend auch beim Feind zu schätzen und so haben es Lukas E. besonders die eifrigen Straßenverkäufer angetan, z.B. Javier, ein „reizender kleiner Kerl, der sich gut mit uns unterhielt, waehrend ein geschaeftstuechtiger anderer Junge aus den Palmzweigen des Morgens Schmuckstuecke fuer Eva Braun herstellte“. So viel Geschäftssinn wird belohnt und Javier bekommt eine Cola spendiert. Großen Dank, Sahib! Ein wenig getrübt wird der Stolz des Wohltäters jedoch durch ein Informationsblatt, „das eindringlich darauf hinwies, das Kaufen von Essen zu unterlassen, da man die Kinder damit zum Betteln anhaelt, worauf sie das der Schule vorziehen“. Undank ist der Welten Lohn! Doch aus Fehlern lernt man, und als Lukas am Abend wieder auf den kleinen Javier trifft will er ihm zugleich „an einem Strassenstand was zu essen kaufen“. Man kann nur hoffen, dass Javier weiterhin so viel Glück im Leben hat und sich nicht wie die anderen Straßenkinder „klebstoffabhaengig wird“, „sein Gehirn zerstört“ und am Ende womöglich ähnlich verblödet wie sein deutscher Wohltäter.

Friede für Mittelamerika.

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